SAP ILM einführen: Voraussetzungen, Business Functions, Customizing

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Berater richtet SAP ILM am Doppelmonitor-Arbeitsplatz ein

Das fachliche Löschkonzept steht, die Fristen sind geklärt — jetzt soll SAP ILM ins System. Aber was genau muss dafür aktiviert, eingerichtet und customized werden? Dieser Beitrag zeigt, wie Sie SAP ILM einführen: von den Voraussetzungen über die Business Functions bis zum Regelwerk-Customizing.

Voraussetzungen: Was vor der Technik kommt

SAP ILM ist in der ERP-Lizenz enthalten — zusätzliche Lizenzkosten fallen für das Löschszenario im HCM nicht an. Die wichtigste Voraussetzung ist keine technische: Ohne ein abgestimmtes fachliches Löschkonzept mit Fristenkatalog gibt es nichts, was man im Regelwerk abbilden könnte. Wie dieses Konzept entsteht, beschreibt unser Leitfaden zum Löschkonzept; die Fristen dafür liefert der Überblick der Aufbewahrungsfristen.

Technisch sollten Sie prüfen: den Support-Package-Stand (einzelne ILM-Objekte wurden erst mit späteren Packages ausgeliefert — Details in unserem Beitrag zu den ILM-Objekten aus SAP-Hinweis 2774596), die Grundlagen der Datenarchivierung (Archivverzeichnis, logische Dateinamen) und die Berechtigungen für die Aktivierung (u. a. S_SWITCH für das Switch Framework).

Schritt 1: Business Functions aktivieren

SAP ILM wird über das Switch Framework (Transaktion SFW5) eingeschaltet. Für das HCM-Löschszenario wird genau eine Business Function benötigt: ILM. Sie stellt den technischen Kernfunktionsumfang bereit und erweitert die Datenarchivierung um die ILM-Funktionen (Regelwerk, Vernichtung). Weitere ILM-Business-Functions wie ILM_BLOCKING, BUPA_ILM_BF oder ERP_CVP_ILM_1 adressieren Financial- und Geschäftspartner-Prozesse — für das HR-Szenario werden sie nicht benötigt.

Wichtig zu wissen: Die Aktivierung von Business Functions ist in der Regel nicht reversibel und gehört deshalb sauber geplant — erst im Sandbox- oder Entwicklungssystem, mit eingeplanter kurzer Downtime und ohne parallel laufende Batch-Jobs.

Schritt 2: Audit-Bereiche und Regelwerk-Customizing

Das Herzstück der Einführung ist das Regelwerk. Der bewährte Einstieg: ein kundeneigener Audit-Bereich (z. B. Z_GDPR), angelegt mit der Transaktion ILMARA — er bündelt alle DSGVO-Aufbewahrungsregeln sauber getrennt vom SAP-Standard. Im ILM-Customizing (Transaktion IRM_CUST) werden anschließend je ILM-Objekt die verfügbaren Bezugszeitpunkte (z. B. Austrittsdatum, Ende des Kalenderjahres) und Bedingungen gepflegt. Die eigentlichen Aufbewahrungsregeln entstehen dann in der Regelpflege (Transaktion IRMPOL): Dort wird je ILM-Objekt und Audit-Bereich hinterlegt, welche Frist ab welchem Bezugszeitpunkt gilt.

Reichen die ausgelieferten Bezugszeitpunkte und Bedingungen nicht aus, kommen die BAdIs ins Spiel: In den Implementierungen zu BADI_IRM_OT_FLD und BADI_IRM_OT_STT werden kundeneigene Bedingungen und Zeitbezüge per Coding gesetzt — ein eigenes Entwicklungs-Arbeitspaket, das bei der Budgetplanung gerne vergessen wird.

Im HCM-Umfeld kommt eine Besonderheit dazu: die Differenzierung nach Länderorganisation (MOLGA). Internationale Systeme brauchen je Land eigene Regel-Ausprägungen, weil die gesetzlichen Fristen abweichen. Bei vielen ILM-Objekten und mehreren Ländern wächst das Regelwerk schnell auf hunderte Einzelregeln — für die zentrale Übersicht und Pflege haben wir RuleBoard entwickelt.

Schritt 3: ILM-Objekte prüfen und aktivieren

SAP hat über die Jahre in Summe mehrere hundert HCM-relevante ILM-Objekte ausgeliefert — von den Stammdaten-Infotypen über die Zeitwirtschaft bis zu den Abrechnungsergebnissen (z. B. PA_CALC). Pro Land relevant sind davon in der Praxis etwa 50 bis 60 Objekte. Prüfen Sie je Datenbereich Ihres Fristenkatalogs, welches ILM-Objekt ihn abdeckt — und wo Lücken bleiben: Für kundeneigene Infotypen müssen ebenso kundeneigene ILM-Objekte erstellt werden wie für Z-Tabellen.

Schritt 4: Der Löschprozess im Betrieb

Einstieg in die Vernichtung ist immer die Transaktion ILM_DESTRUCTION. Von dort hängt der weitere Weg vom ILM-Objekt ab: Basiert es auf einem Archivierungsobjekt, springt das System automatisch in die Archivierungsadministration (SARA) mit ihrem dreistufigen Prozess aus Vorlauf-, Schreib- und Löschprogramm. Bei Objekten mit reiner Vernichtungsfunktion wird stattdessen das im Customizing hinterlegte Vernichtungsprogramm ausgeführt — gepflegt über die Transaktion DOBJ. Dabei gilt in beiden Fällen: Die Löschreihenfolge der ILM-Objekte ist nicht beliebig — Abhängigkeiten zwischen den Objekten müssen eingehalten werden, sonst drohen Abbrüche.

Für den ersten produktiven Lauf gilt die eiserne Regel: erst Testlauf im Qualitätssystem, dann fachliche Freigabe, dann produktive Vernichtung mit vollständiger Protokollierung. Und planen Sie die Bereinigung der typischen Löschblocker ein — allen voran die Rückrechnungsdaten in Infotyp 0003.

Häufige Fragen zur ILM-Einführung

Kostet SAP ILM eine zusätzliche Lizenz?
Für das Lösch- und Sperrszenario im Live-System: nein, ILM ist in der ERP-Lizenz enthalten. Gesonderte Komponenten wie ein ILM Store werden erst für Retention-Warehouse-Szenarien (Stilllegung von Altsystemen) relevant.

Sind die Business Functions reversibel?
In der Regel nein. Deshalb: zuerst im Entwicklungs- oder Sandbox-System aktivieren, Auswirkungen prüfen, dann kontrolliert durch die Landschaft transportieren bzw. aktivieren.

Wie lange dauert die technische Einführung?
Die Aktivierung und das Grund-Customizing sind in wenigen Tagen erledigt. Die Kalenderzeit bestimmt das Regelwerk: je mehr ILM-Objekte, Länder und Sonderfälle, desto länger. Realistische Gesamtaufwände haben wir im Beitrag „Was kostet die DSGVO-Umsetzung in SAP HCM?“ zusammengestellt.

Brauchen wir auch ILM_BLOCKING, BUPA_ILM_BF oder ERP_CVP_ILM_1?
Nein. Diese Business Functions adressieren Financial- und Geschäftspartner-Prozesse. Für das Löschszenario im SAP HCM genügt die Business Function ILM.

Fazit

Die technische ILM-Einführung ist kein Hexenwerk: Business Functions aktivieren, Audit-Bereiche und Bezugszeitpunkte customizen, Aufbewahrungsregeln pflegen, Löschprozess etablieren. Der Aufwand steckt im Regelwerk und in den Sonderfällen — nicht im Einschalten. Wer das fachliche Konzept sauber vorbereitet hat, bringt ILM in wenigen Wochen produktiv.

Sie möchten die Einführung beschleunigen oder Ihr bestehendes Customizing prüfen lassen? Sprechen Sie uns an — oder lernen Sie unsere Werkzeuge in einem kostenlosen Webinar kennen.

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