SAP-Hinweis 2122906 in SAP HCM: Welche ILM-Objekte die Q2-2026-Liste neu ausweist

, , ,
Zwei Berater prüfen im Glasbüro die ILM-Objektliste aus SAP-Hinweis 2122906 vor einem Bildschirm mit Unternehmenssoftware (KI-generiertes Bild)

Sie planen den nächsten Vernichtungslauf und fragen sich, ob ein bestimmtes Archivierungsobjekt in SAP HCM überhaupt über ILM gesteuert werden kann. Oder ein neues Modul ist im System aktiv, etwa das Payroll Control Center oder die Fiori-Zeiterfassung, und niemand weiß, ob dafür schon ein ILM-Objekt existiert. Genau für diese Frage pflegt SAP seit Jahren eine zentrale Referenz: SAP-Hinweis 2122906 mit der Excel-Liste aller ILM-Objekte und der ihnen zugeordneten Archivierungs- und Datenvernichtungsobjekte. Am 29. Juli 2026 hat SAP den Hinweis in Version 22 mit dem Stand Q2 2026 aktualisiert. Dieser Beitrag erklärt, wie die Liste aufgebaut ist, welche HCM-Objekte neu hinzugekommen sind und was Sie jetzt in Ihrem Löschkonzept prüfen sollten.

Was SAP-Hinweis 2122906 liefert

Der Hinweis gehört zur Komponente BC-ILM-IRM (Information Retention Manager) und trägt die Kategorie „Customizing“. Sein Text ist kurz: Wer wissen will, welche Archivierungsobjekte einem ILM-Objekt zugeordnet sind und welche ILM-Objekte es überhaupt gibt, findet die Antwort im Excel-Anhang. SAP veröffentlicht diesen Anhang etwa halbjährlich, die Dateinamen tragen das Quartal, aktuell „AO_and_DO_with_ILM_Object_assigned_2026_Q2“. Die älteren Versionen bleiben als Anhang erhalten, sodass sich Veränderungen zwischen den Ständen nachvollziehen lassen.

Die Liste hat neun Spalten: ILM-Objekt, Beschreibung, Softwarekomponente, Anwendungskomponente mit Klartext, das zugeordnete Archivierungsobjekt (AO), das zugeordnete Datenvernichtungsobjekt (DO), das Quartal, in dem der Eintrag in die Liste aufgenommen wurde, sowie seit 2024 die Spalte „Replaced by“ für abgelöste Objekte. Der Stand Q2 2026 umfasst 3.399 Zeilen und 2.747 verschiedene ILM-Objekte. Ein ILM-Objekt kann mehrfach vorkommen, wenn es in verschiedenen Softwarekomponenten ausgeliefert wurde.

Wichtig für die Praxis: Die Liste ist keine Aussage darüber, was in Ihrem System aktiv ist. Sie sagt, welche Objekte SAP grundsätzlich ILM-fähig ausgeliefert hat. Ob das Objekt in Ihrem Release und Support Package vorhanden ist und ob dafür bereits Aufbewahrungsregeln in IRMPOL gepflegt sind, müssen Sie im System selbst prüfen.

Die HCM-Sicht: 734 ILM-Objekte, fast alle als Archivierungsobjekt geführt

Filtert man die Liste auf die Anwendungskomponenten PA, PY und PT sowie die HCM-Softwarekomponenten (SAP_HR, EA-HR, S4HCM*), bleiben 831 Zeilen mit 734 verschiedenen ILM-Objekten übrig. Ein großer Teil davon sind länderspezifische Objekte für einzelne Infotypen, erkennbar an Namen wie HRCATI3671 (A1-Meldung Österreich) oder HRCCZDZNP (Krankengeld Tschechien).

Auffällig ist die Verteilung auf die beiden Spalten AO und DO: Nur 25 der HCM-Zeilen tragen ein Datenvernichtungsobjekt, darunter HRPA_PERNR als „Vernichtungsobjekt für Personalnummer“. Die übrigen 799 Zeilen führen ein Archivierungsobjekt. Das entspricht der HCM-Architektur, in der die bekannten Objekte wie HRPA_REMUN, HRTIM_PWS, PA_CALC, PA_TIME, PA_LDOC oder PA_PIDX als Archivierungsobjekte angelegt sind und die Vernichtung über das ILM-Framework erfolgt. Wer in der Liste also nach einem „Vernichtungsobjekt“ für Abrechnungsergebnisse sucht, sucht in der falschen Spalte.

Sieben HCM-Einträge haben weder ein AO noch ein DO zugeordnet, etwa HRPA_ALDOCS (über ArchiveLink abgelegte Dokumente) oder HRTIM_INW_DESTRUCTION (Zeittickets). Solche Zeilen bedeuten, dass die Anwendung die ILM-Anbindung begonnen, aber noch nicht abgeschlossen hat. Für das Löschkonzept sind sie eine Warnung: Hier gibt es keinen Standardweg zur Vernichtung.

Was seit Q2 2025 neu dazugekommen ist

Der Vergleich der beiden Anhänge Q2 2025 und Q2 2026 zeigt 65 neue Zeilen, kein Eintrag ist entfallen und kein Objekt wurde über „Replaced by“ abgelöst. Der Großteil der Neuzugänge liegt in Finance, GRC, Public Sector und Branchenlösungen. Für SAP HCM sind fünf Einträge relevant:

1. HRPA_CRPGR: Corporate Functions mit Gruppierung

Softwarekomponente S4HCMRXX, Anwendungskomponente PA-PA, zugeordnetes Archivierungsobjekt HRPA_CRPGR. Für die Unternehmensfunktionen gab es bereits das Objekt HRPA_CRPFC („HR: Corporate Function“, Softwarekomponente SAP_HR). Neu ist die Variante mit Gruppierung in der S/4HANA-Komponente. Prüfen Sie, welches der beiden Objekte in Ihrem Release vorhanden ist, bevor Sie Regeln pflegen.

2. PCC_ACL: Aktivitätsliste des Payroll Control Center

Softwarekomponente S4HCMGXX, Anwendungskomponente PY-XX-PYP, Archivierungsobjekt PCC_ACL. Für das Payroll Control Center führte die Liste bisher nur den Audit Trail (PCC_AUDIT und HRPY_PCCAT). Mit PCC_ACL kommt die Aktivitätsliste hinzu, also die Prozessdaten der Abrechnungssteuerung. Wer das PCC produktiv einsetzt, sollte dieses Objekt in sein Regelwerk aufnehmen.

3. HRCDENTPAR: Meldedaten auf Betriebsebene Deutschland

Softwarekomponente S4HCMCDE, Anwendungskomponente PA-PA-DE, Archivierungsobjekt HRCDENTPAR. Bisher gab es für Deutschland das Objekt HRCDENT („HR: Reporting Data Germany“). HRCDENTPAR ergänzt es um Meldedaten, die nicht am Mitarbeiter, sondern am Betrieb hängen. Für deutsche Arbeitgeber ist das der praktisch wichtigste Neuzugang, weil die Meldedaten in den Fristenkatalog gehören und bisher meist nur über HRCDENT abgedeckt waren.

4. HRPT_FIOASN: Fiori My Timesheet Assignment

Softwarekomponente S4HCMGXX, Anwendungskomponente PA-FIO-TS. Dieses Objekt steht in der Liste ohne zugeordnetes Archivierungs- oder Vernichtungsobjekt. SAP hat die ILM-Anbindung der Fiori-Zeiterfassung also begonnen, aber noch nicht mit einem ausführbaren Objekt hinterlegt. Wer die Fiori-App produktiv nutzt, sollte das Objekt im Blick behalten.

5. TIMESHEET: Workforce Timesheet in S/4HANA

Softwarekomponente SAPSCORE_B, Anwendungskomponente CA-TS-S4, Archivierungsobjekt TIMESHEET. Formal kein HCM-Objekt, aber für die Zeitwirtschaft relevant, weil das anwendungsübergreifende Arbeitszeitblatt (CATS) in S/4HANA hier seine ILM-Anbindung erhält.

Dazu kommen länderspezifische Neuzugänge für Irland (HRCIEAE, Automatic Enrolment) und Ägypten (HRCEGDS, HRCEGHI) sowie zwei Objekte aus dem Occupational-Health-Umfeld (EHOHM_SR_DESTRUCTION, EHOHM_SRR_DESTRUCTION für Health Service Requests), die in Unternehmen mit SAP EHS für die Arbeitsmedizin eine Rolle spielen können.

Warum das heikel ist: Kein einziges der HCM-Kernobjekte wurde verändert. Wer erwartet hat, dass SAP die Vernichtungslogik für PA_CALC oder PA_PIDX in der Liste anders einordnet, wird nicht fündig. Die Korrekturen an diesen Objekten laufen weiterhin über einzelne Hinweise, wie wir sie im Beitrag zu PA_PIDX und PPOIX und zu den neuen SAP-Hinweisen zur Datenvernichtung beschrieben haben.

Wie Sie die Liste im Projekt einsetzen

Die Excel-Liste ist in drei Situationen nützlich. Erstens beim Aufbau eines Löschkonzepts: Der Abgleich der im System genutzten Infotypen und Cluster mit der Liste zeigt, wofür SAP ein ILM-Objekt liefert und wo Sie ein kundeneigenes Objekt brauchen. Zweitens nach einem Upgrade oder Support Package: Die Spalte „Added to this Excel in…“ macht sichtbar, welche Objekte seit dem letzten Stand hinzugekommen sind und im Regelwerk noch fehlen. Drittens bei der Fehleranalyse: Fehlt in Transaktion IRMPOL ein erwartetes Objekt, klärt die Liste, ob es überhaupt existiert oder ob es an der Aktivierung im eigenen System liegt.

Ein praktischer Hinweis zur Handhabung: Sortieren Sie die Liste nicht alphabetisch, sondern nach der Spalte „Added to this Excel in…“. SAP hängt neue Objekte am Ende an, genau deshalb wurde die Spalte 2018 eingeführt. Der Vergleich zweier Stände ist dann in wenigen Minuten erledigt.

Was Sie jetzt prüfen sollten

Erstens: Laden Sie den aktuellen Anhang. Der Stand Q2 2026 ist die Referenz für alle Löschkonzepte, die Sie in den nächsten Monaten überarbeiten. Ältere Stände in Projektdokumentationen sollten Sie ersetzen.

Zweitens: Prüfen Sie die fünf neuen HCM-Objekte gegen Ihre Systemlandschaft. Nutzen Sie das Payroll Control Center, dann gehört PCC_ACL in Ihr Regelwerk. Sind Sie ein deutscher Arbeitgeber, prüfen Sie HRCDENTPAR. Setzen Sie die Fiori-Zeiterfassung ein, notieren Sie HRPT_FIOASN als offenen Punkt ohne ausführbares Objekt.

Drittens: Gleichen Sie Ihre Regelwerke in IRMPOL mit der Liste ab. Für jedes ILM-Objekt, das in Ihrem System aktiv ist und Personendaten enthält, muss eine Aufbewahrungsregel existieren. Objekte ohne Regel werden von den Vernichtungsläufen übersprungen, ohne dass ein Fehler entsteht. Unser Modul RuleBoard stellt genau diesen Abgleich zwischen ausgelieferten Objekten und gepflegten Regeln dar.

Viertens: Dokumentieren Sie die Lücken. Die sieben HCM-Einträge ohne AO und DO sind Kandidaten für kundeneigene Löschlogik oder für eine Nachfrage bei SAP. Halten Sie fest, warum ein Objekt nicht gelöscht wird, sonst fällt die Lücke erst bei der nächsten Auskunft nach Art. 15 DSGVO auf.

Fazit

SAP-Hinweis 2122906 ist kein spektakulärer Hinweis, aber einer der nützlichsten im ILM-Umfeld. Die Q2-2026-Liste bringt für SAP HCM fünf neue Objekte, von denen PCC_ACL und HRCDENTPAR für viele deutsche Kunden unmittelbar relevant sind. An den Kernobjekten der Abrechnung und Zeitwirtschaft hat sich nichts geändert, und genau das ist die eigentliche Botschaft: Die Vollständigkeit eines Löschkonzepts hängt nicht an der Liste, sondern daran, ob alle aktiven Objekte mit Regeln hinterlegt sind.

Ein Vorbehalt zum Schluss: Die hier genannten Zahlen und Objektnamen stammen aus dem Vergleich der Anhänge Q2 2025 und Q2 2026. Welche Objekte in Ihrem System tatsächlich vorhanden sind, entscheidet Ihr Release-Stand, nicht die Liste.

Aus über hundert DSGVO-Projekten im SAP-HCM-Umfeld nehmen wir bei hoelterhoff.consulting vor allem eines mit: Die meisten Lücken im Löschkonzept entstehen nicht, weil ein ILM-Objekt fehlt, sondern weil niemand regelmäßig prüft, ob neue Objekte dazugekommen sind. Ein halbjährlicher Blick in den Anhang von Hinweis 2122906 kostet eine Stunde und erspart im Audit eine unangenehme Überraschung.

Sie möchten wissen, welche der 734 HCM-ILM-Objekte in Ihrem System aktiv sind und welche davon ohne Regel laufen? RuleBoard zeigt Ihnen den Abgleich auf einen Blick. Oder sprechen Sie uns direkt an, wir prüfen Ihr Regelwerk gegen den aktuellen Stand Q2 2026.

Newsletter
Praxiswissen zu DSGVO & SAP HCM – monatlich ins Postfach

Löschkonzepte, SAP ILM, Migrations-Tipps und Webinar-Termine aus der Praxis. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Jetzt Newsletter abonnieren →