SAP ILM: GETWA_NOT_ASSIGNED beim Löschen des Buchungsindex (PA_PIDX)

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SAP-Berater zeigt PA_PIDX Data Destruction Flowchart mit GETWA_NOT_ASSIGNED Fehler und IRM_CUST_BS Lösung

Wer SAP ILM (Information Lifecycle Management) für die DSGVO-konforme Datenvernichtung im HCM einsetzt, kennt die Herausforderung: Die Archivierungs- und Löschobjekte müssen sauber konfiguriert sein — sonst bricht der Prozess mit kryptischen Laufzeitfehlern ab. In diesem Beitrag schildern wir einen Fall aus der Praxis, bei dem der Schreibjob für das ILM-Objekt PA_PIDX (Buchungsindex der Abrechnungsergebnisse) mit dem Laufzeitfehler GETWA_NOT_ASSIGNED abbrach. Wir zeigen, wie der Fehler analysiert wurde, wie der SAP-Support reagiert hat — und wie Sie das Problem mit SAP Note 3727054 und zwei manuellen Aktivitäten in der Transaktion IRM_CUST_BS lösen.

Das Problem: Laufzeitfehler beim Schreibjob für PA_PIDX

Bei einem unserer Kunden führen wir regelmäßig ILM-basierte Datenvernichtungsläufe im SAP HCM durch. Dabei werden unter anderem die Buchungsindexdateien (Objekt PA_PIDX) der Abrechnungsläufe archiviert und anschließend gelöscht — ein wichtiger Bestandteil der DSGVO-konformen Datenreduktion.

Im Februar 2026 brach der Schreibjob des Archivierungsobjekts PA_PIDX (Programm RPAR6W00, Variante für die Datenvernichtung, Lauftyp PP) unerwartet mit dem Laufzeitfehler GETWA_NOT_ASSIGNED ab. Die Archivdatei wurde zwar erzeugt, konnte aber nicht weiterverarbeitet werden. Im Job-Log war die Meldung eindeutig:

„Der interne Modus ist mit dem Laufzeitfehler GETWA_NOT_ASSIGNED abgebrochen (siehe ST22).“

Auch im Syslog (SM21) und in der Transaktion ST22 war der Dump klar dokumentiert. Der Fehler trat in der Klasse CL_BDI_IRM_MOLGA_PERNR auf — also tief im ILM-Framework bei der Ermittlung des Länderkennzeichens (Molga) über die Personalnummer.

Die Analyse: Warum der Fehler auftritt

Die Ursache war nicht sofort offensichtlich. Der SAP-Support konnte den Fehler reproduzieren und identifizierte die betroffene Personalnummer. Der Grund: Für den betreffenden Buchungslauf existierten in der Tabelle PPOIX keine Einträge, wohl aber in PPOPX. Die ILM-Standardkonfiguration versuchte jedoch, das Länderkennzeichen über die Tabelle PPOIX zu ermitteln — und lief ins Leere.

Technisch gesehen fehlte in der ILM-Konfiguration des Objekts PA_PIDX eine korrekte Zuordnung der Quelltabelle für die indirekte Wertermittlung des Bedingungsfeldes COUNTRY. Statt nur über PPMIX und PPOIX musste auch die Tabelle PCALAC (Aktivitäten pro Abrechnungsergebnis) als Quelle hinterlegt werden. Gleiches galt für die Ermittlung des Objektinstanzschlüssels für das BOR-Objekt: Hier verwies die Konfiguration auf PPOIX, musste aber auf PCALAC umgestellt werden.

Der Weg zur Lösung: Fünf Wochen SAP-Support

Da der Fehler nur im Produktivsystem des Kunden auftrat und in keiner Sandbox reproduzierbar war, gestaltete sich die Fehlersuche aufwendig. Der Kunde eröffnete am 14. Februar 2026 eine SAP-Meldung (Priorität P4). Nach mehreren Rückfragen und einem Wechsel des zuständigen Support-Teams (von PY-XX zu PY-XX-DT) konnte SAP Development Support den Fehler schließlich in einem internen System reproduzieren.

Am 9. März identifizierte SAP die betroffene Personalnummer und die Ursache. Am 19. März wurde der Hinweis 3727054 als Pilot-Note für den Kunden freigegeben — inklusive Korrekturanleitung und zwei manueller Aktivitäten.

Am 20. März konnte der Kunde die Korrektur einspielen, den Testlauf erfolgreich durchführen und anschließend den produktiven Löschlauf starten — diesmal ohne Fehler.

Die Lösung: SAP Note 3727054

SAP hat das Problem mit dem Hinweis 3727054 — „Data Destruction of posting index“ (Komponente PY-XX-DT) behoben. Die Note enthält Korrekturanleitungen für die Softwarekomponenten S4HCMRXX (Releases 100–102) und SAP_HRRXX (Releases 604, 608).

Wichtig: Neben dem Einspielen der Korrekturanleitung müssen zwingend zwei manuelle Aktivitäten in der Transaktion IRM_CUST_BS durchgeführt werden. Ohne diese manuellen Schritte ist die Korrektur nicht vollständig.

Voraussetzung: SAP Note 3600020 („Archiving payment posting (run type PM): No matching rule found…“) muss bereits eingespielt sein.

Schritt-für-Schritt: Manuelle Aktivitäten in IRM_CUST_BS

Aktivität A: Wertermittlung für Bedingungsfelder (indirekt) ergänzen

1. Rufen Sie die Transaktion IRM_CUST_BS auf
2. Wählen Sie das ILM-Objekt PA_PIDX
3. Navigieren Sie zu „Wertermittlung für Bedingungsfelder (indirekt)“
4. Fügen Sie folgenden Eintrag hinzu:

Bedingungsfeld Quelltabelle Quellfeld
COUNTRY PCALAC PERNR

Nach diesem Schritt sollten für das Bedingungsfeld COUNTRY drei Quelltabellen hinterlegt sein: PCALAC, PPMIX und PPOIX.

Aktivität B: Objektinstanzschlüssel für BOR-Objekt ändern

1. Rufen Sie erneut die Transaktion IRM_CUST_BS auf
2. Wählen Sie das ILM-Objekt PA_PIDX
3. Navigieren Sie zu „Ermittlung des Objektinstanzschlüssels für BOR-Obj“
4. Löschen Sie den bestehenden Eintrag:

Quelltabelle Quellfeld Position
PPOIX PERNR 1

5. Fügen Sie stattdessen folgenden Eintrag hinzu:

Quelltabelle Quellfeld Position
PCALAC PERNR 1

Hinweis: Beim Anlegen des neuen Eintrags kann es vorkommen, dass die Feldposition 0001 als „bereits verwendet“ gemeldet wird (Meldung LRM_BS004). In diesem Fall: Erst den alten Eintrag löschen und sichern, die Transaktion verlassen, erneut aufrufen und dann den neuen Eintrag anlegen.

Fazit und Empfehlung

Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie komplex die ILM-basierte Datenvernichtung im SAP HCM sein kann. Ein fehlender Eintrag in der ILM-Konfiguration — konkret die fehlende Quelltabelle PCALAC für das Objekt PA_PIDX — führte dazu, dass der gesamte Löschlauf für den Buchungsindex abbrach.

Unsere Empfehlungen:

Prüfen Sie proaktiv, ob SAP Note 3727054 für Ihr System relevant ist — insbesondere wenn Sie PA_PIDX-Löschläufe mit den Lauftypen PP oder PM planen.
Spielen Sie die Voraussetzungs-Note 3600020 ein, falls noch nicht geschehen.
Führen Sie die manuellen Aktivitäten in IRM_CUST_BS sorgfältig durch — die Korrekturanleitung allein reicht nicht aus.
Testen Sie mit einem einzelnen Buchungslauf im Testmodus, bevor Sie den produktiven Löschlauf starten.
Planen Sie bei SAP-Meldungen im ILM-Umfeld ausreichend Vorlauf ein — in unserem Fall vergingen fünf Wochen von der Meldung bis zur Lösung.

Sie setzen SAP ILM für die DSGVO-konforme Datenvernichtung im HCM ein und stoßen auf ähnliche Probleme? Sprechen Sie uns an — wir unterstützen Sie bei der Analyse und Behebung.