Datenvernichtung in SAP HCM: Warum „Falsche Sortierung der Eingabetabelle“ bei Elternzeit die Vernichtung stoppt
Im Protokoll der Datenvernichtung in SAP HCM steht für eine einzelne Personalnummer die Meldung „Falsche Sortierung der Eingabetabelle. In der Tabelle LT_DURCHSCHNITT_BEW_2 entspricht die Zeile … nicht der erforderlichen Sortierung.“ Der Rest des Laufs geht sauber durch, nur die Daten dieser Person bleiben stehen. Wer jetzt in den Stammdaten oder in der Zeitwirtschaft sucht, sucht an der falschen Stelle: Die Ursache ist ein Programmfehler bei der Ermittlung des Bewertungszeitraums für den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, den SAP am 22.05.2026 mit dem Hinweis 3756762 korrigiert hat. Dieser Beitrag erklärt, wann die Meldung auftritt, was die Korrektur ändert und was Sie vor dem nächsten Lauf prüfen sollten.
Wann die Meldung auftritt
Die Meldung erscheint in den Protokollen der Stammdatenvernichtung und der Abrechnungsdatenvernichtung und kann dort die Vernichtung für die betroffene Personalnummer verhindern. Betroffen ist die Ländergruppierung Deutschland (01). Der Hinweis ist der Komponente PY-DE-GR-MP (Mutterschutzgesetz) zugeordnet, die Priorität ist mittel, die Kategorie Programmfehler.
Wichtig für die Praxis: Der Fehler hängt nicht an einem Datenstand, den man durch Nacharbeit in den Infotypen „repariert“. Er entsteht, wenn bestimmte Sätze einer Person in einer bestimmten Reihenfolge vorliegen. Deshalb fällt er im Protokoll meist nur bei einzelnen Personalnummern auf.
Warum die Vernichtung Mutterschutzdaten ansieht
Bevor Stammdaten rückrechnungsrelevanter Infotypen oder generell Abrechnungsdaten vernichtet werden, prüft das System für die Ländergruppierung Deutschland, ob Daten für die Ermittlung des Zuschusses zum Mutterschaftsgeld noch gebraucht werden. Das maximal nötige Rückrechnungsdatum und das daraus folgende maximal mögliche Vernichtungsdatum werden dabei gegebenenfalls angepasst. Für diese Prüfung wird der Bewertungszeitraum bestimmt, und genau diese Ermittlung bricht unter den unten genannten Voraussetzungen ab.
Als Suchbegriffe nennt der Hinweis die Methoden CL_HRPAYDE_MUSCHG_BV->ERMITTELN_ZEITRAEUME_BEW und CL_HRPAYDE_MUSCHG_SERVICES->PREVENT_LETZTE_ABW_IST_AKT_EZ. Wer das Verhalten im System nachvollziehen will, findet dort den Einstieg.
Die Voraussetzungen im Einzelnen
Drei Bedingungen müssen zusammentreffen:
- Der Hinweis 3693174 („Datenvernichtung Abrechnung: Berücksichtigung von Elternzeit in aktueller Abrechnungsperiode“) oder das zugehörige Support Package ist eingespielt.
- Die Person hat mehrere Sätze des Infotyps Mutterschutz/Elternzeit (0080). Diesen Sätzen sind Abwesenheiten der Art Beschäftigungsverbot, Mutterschutz und Elternzeit aus dem Infotyp Abwesenheiten (2001) zugeordnet.
- Die Elternzeit-Abwesenheiten liegen nicht in der Reihenfolge der Sätze des Infotyps 0080 vor.
Das Beispiel aus dem Hinweis
Der Hinweis beschreibt die Abfolge für zwei Kinder: Beschäftigungsverbot, Mutterschutz und Elternzeit für Kind 1, eine Arbeitsphase, dann Beschäftigungsverbot, Mutterschutz und Elternzeit für Kind 2, und danach weitere Elternzeit für Kind 1. Genau dieser späte Nachschlag zu Kind 1 bricht die erwartete Sortierung der Eingabetabelle.
Warum das heikel ist: Die Abfolge im Beispiel ist fachlich nachvollziehbar. Die Meldung zeigt nicht an, dass die Daten der Person fehlerhaft sind, sondern dass die Prüfung mit dieser Reihenfolge nicht zurechtkommt.
Was SAP korrigiert und für welche Releases
SAP korrigiert die Ermittlung des Bewertungszeitraums. Zur Wahl stehen die mitgelieferten Korrekturanleitungen oder das Support Package. Laut Hinweis gilt die Korrektur für diese Softwarekomponenten:
- SAP_HRCDE 604: Support Package SAPK-604N1INSAPHRCDE
- SAP_HRCDE 608: Support Package SAPK-608F9INSAPHRCDE
- S4HCMCDE 100: Support Package SAPK-10048INS4HCMCDE
- S4HCMCDE 101: Support Package SAPK-10135INS4HCMCDE
- S4HCMCDE 102: Support Package SAPK-10209INS4HCMCDE
Für SAP_HRCDE liefert der Hinweis zwei, für S4HCMCDE drei Korrekturanleitungen mit. Manuelle Aktivitäten nennt er nicht. Die Angaben beruhen auf der Fassung Version 1 vom 22.05.2026 und sind am eigenen Release zu verifizieren.
Was Sie jetzt prüfen sollten
Erstens: das Protokoll des letzten Testlaufs. Suchen Sie nach „Falsche Sortierung der Eingabetabelle“ und notieren Sie die betroffenen Personalnummern. Schon eine einzelne Nennung genügt, weil sie für diese Person die Vernichtung verhindern kann.
Zweitens: das Muster bestätigen. Sehen Sie sich bei diesen Personen die Sätze des Infotyps 0080 und die zugeordneten Abwesenheiten aus Infotyp 2001 an. Liegt Elternzeit zu einem früheren Kind nach der Elternzeit eines späteren Kindes, entspricht das dem Muster aus dem Hinweis.
Drittens: den Stand im System. Klären Sie, ob 3693174 und 3756762 eingespielt sind und welchen Stand Ihre Komponenten SAP_HRCDE bzw. S4HCMCDE haben. Der Hinweis nennt 3693174 als Voraussetzung, prüfen Sie diese Reihenfolge vor der Implementierung.
Viertens: erst im Entwicklungs- oder Qualitätssystem testen. Implementieren Sie die Korrektur dort, wiederholen Sie den Testlauf mit denselben Personalnummern und halten Sie das Ergebnis fest.
Fünftens: die Freigabeentscheidung dokumentieren. Ob ein Produktivlauf trotz offener Meldungen freigegeben wird, ist eine bewusste Entscheidung im Löschkonzept und gehört ins Protokoll des Löschlaufs.
Die Schritte eins bis fünf sind unsere Empfehlung aus der Praxis, sie stehen so nicht im SAP-Hinweis.
Fazit
Eine hängende Personalnummer im Vernichtungslauf ist nicht automatisch ein Datenfehler. In diesem Fall ist es ein Programmfehler bei einer konkreten Konstellation: mehrere Sätze im Infotyp 0080, Elternzeit-Abwesenheiten außerhalb der Reihenfolge der Sätze. Der Befund gilt für genau diese Prüfung in der Datenvernichtung für Deutschland. Ob andere Länder oder andere Objekte ähnliche Abhängigkeiten haben, ist eine eigene Prüfung und nicht Teil dieser Aussage.
Aus über hundert DSGVO-Projekten im SAP-HCM-Umfeld nehmen wir bei hoelterhoff.consulting vor allem eines mit: Protokollmeldungen des Löschlaufs beschreiben selten die Ursache, sondern die Stelle, an der eine Prüfung aufgegeben hat. Wer die Meldung zuerst gegen die SAP-Hinweise abgleicht, erspart sich die Suche an der falschen Stelle. Einen ähnlichen Fall aus der Reisekostenvernichtung beschreibt unser Beitrag zu PH 260 bei PA_TRAVEL.
Wenn Sie Ihre Löschläufe und deren Protokolle zentral auswerten wollen, statt jede Meldung einzeln zu verfolgen, schauen Sie sich RunScope an. Und wenn Sie bei der Einordnung konkreter Protokollbefunde Unterstützung brauchen, sprechen Sie uns an. Bitte schicken Sie uns dafür nur die Meldung ohne Personenbezug (Meldungstext, Tabellenname, Hinweisstand).
Quelle: SAP-Hinweis 3756762, Version 1, freigegeben am 22.05.2026 (Anmeldung bei SAP for Me erforderlich).
Löschkonzepte, SAP ILM, Migrations-Tipps und Webinar-Termine aus der Praxis. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Jetzt Newsletter abonnieren →
